News

Reviervorlesung in Merseburg: Dialog über Energiewende und nachhaltige Mobilität

Wie gelingt der Wandel hin zu einer klimafreundlichen Zukunft im Mitteldeutschen Revier? Dieser Frage widmete sich die Reviervorlesung „Das Revier debattiert“, als Teil der Open Academy 2026 vom Science Cube, dem Kompetenzzentrum für Wissenschaftskommunikation in Mitteldeutschland, am 14. Januar 2026 in der Stadtbibliothek Merseburg „Walter Bauer“. Nach fachlichen Impulsen von Prof. Dr. Thomas Martin und Greta Jäckel von der Hochschule Merseburg diskutierten Teilnehmende aus verschiedenen Altersgruppen über Energiewende, Mobilität und gesellschaftliche Verantwortung – wissenschaftlich fundiert und im direkten Austausch miteinander. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit My Country Talks (entwickelt von der ZEIT Verlagsgruppe) und der Hochschule Merseburg, die Teil des Blauen Bands der Wissenschaft ist, umgesetzt.

Wissenschaftliche Einordnung und regionale Perspektive

Den ersten fachlichen Impuls gab Prof. Dr. Thomas Martin, Professor für Verfahrenstechnik an der Hochschule Merseburg. Er ordnete die Energiewende in den globalen Kontext steigender CO₂-Emissionen ein und verwies auf den massiven Anstieg seit Beginn der Industrialisierung, der heute klar in den Daten nachvollziehbar sei. Zwar seien die europäischen Reduktionsbemühungen der letzten Jahre messbar, würden jedoch durch steigende Emissionen in anderen Weltregionen überkompensiert.

Gleichzeitig betonte Martin die Bedeutung regionaler Maßnahmen: Sachsen-Anhalt sei stark im Ausbau der Solarenergie vertreten, und mit dem Photovoltaik-Freiflächensolarpark in Witznitz befinde sich eines der größten Solarkraftwerke Deutschlands in unmittelbarer Nähe der Region. Das Mitteldeutsche Revier spiele damit eine wichtige Rolle im Umbau der Energieversorgung.

Nachhaltige Mobilität im Hochschulalltag

Im zweiten Impuls stellte Greta Jäckel, seit 2022 Klimaschutzmanagerin der Hochschule Merseburg, konkrete Maßnahmen zur nachhaltigen Mobilität vor. Sie berichtete vom Klimaschutzkonzept der Hochschule, das unter anderem auf einer groß angelegten Klima-Umfrage unter Studierenden und Beschäftigten basiert.

Ein zentrales Thema war der sogenannte Modal Split – also die Verteilung der genutzten Verkehrsmittel. Auch die Teilnehmenden der Veranstaltung wurden gefragt, wie sie angereist waren. Das Ergebnis spiegelte weitgehend die hochschulinterne Umfrage wider: In Sachsen-Anhalt ist der Alltag weiterhin stark auf den Autoverkehr ausgerichtet.

Jäckel betonte dabei:

„Ich möchte niemandem vorschreiben, wie er oder sie zur Arbeit kommen soll, aber es muss verlässliche nachhaltige Optionen für alle geben.“

Matching für den Dialog

Im Anschluss an die Impulse begann der interaktive Teil der Veranstaltung: Mit der Matching-Software von My Country Talks (entwickelt von der ZEIT Verlagsgruppe) wurden die Teilnehmenden gezielt mit Personen ins Gespräch gebracht, die unterschiedliche Meinungen zu Fragen der Energiewende abgegeben haben. 

Ulli Zimmermann von der ZEIT Verlagsgruppe stellte das Dialogformat vor, das aus dem Projekt „Deutschland spricht“ hervorgegangen ist. Die Fragen für die Diskussion wurden im Vorfeld gemeinsam mit den Expert*innen entwickelt und griffen zentrale gesellschaftliche Konfliktlinien auf, etwa: Sollten Innenstädte autofrei sein? oder Kann Klimaschutz in Deutschland sozial gerecht organisiert werden?

Ziel war nicht, andere zu überzeugen, sondern unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Verständnis für komplexe Zusammenhänge zu entwickeln. Die Gespräche verliefen in einer offenen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre.

Beitrag zum Strukturwandel im Revier

Die Reviervorlesung „Das Revier debattiert“ versteht sich als Beitrag zu einer zukunftsfähigen, demokratischen Verständigung über den Strukturwandel in Mitteldeutschland. Wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und gesellschaftliche Sichtweisen wurden bewusst miteinander verknüpft. Ein zentrales Element des Dialogs war dabei auch die Revierdebattenbox, ein interaktives Demokratie-Spiel des Science Cube, das die Teilnehmenden vor Ort ausprobiert haben. Dabei kamen Sie spielerisch ins Gespräch und setzten sich mit Fragen rund um Energiewende, Mobilität und Strukturwandel auseinander.

Die Dialogreihe tourt noch bis ins Frühjahr 2026 durch Sachsen-Anhalt und bringt an weiteren Standorten Menschen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik miteinander ins Gespräch. Sie ist Teil der Open Academy 2026, dem kostenlosen (dank STARK-Förderung) Weiterbildungsprogramm des Science Cube für alle, die Wissenschaft zum Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier einladend und gesellschaftlich wirksam kommunizieren möchten. Im Mittelpunkt steht das Perfect-Match-Prinzip: Forschung sucht Kommunikation und findet sie in der Open Academy. Du möchtest bei der Open Academy 2026 dabei sein? Melde dich jetzt hier als Teilnehmer*in an!

Zur Reviervorlesung

Zur Open Academy 2026

Dekor