Ist die Schuldenbremse noch zeitgemäß – oder braucht es neue finanzpolitische Spielräume für die Zukunft des Mitteldeutschen Reviers? Dieser bundesweit kontrovers diskutierten Frage widmete sich die Reviervorlesung am 19.Februar 2026 im Schauspielhaus Magdeburg, zu der wir als Science Cube gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität eingeladen haben.
Wissenschaftlicher Impuls und Debattenkultur
Den fachlichen Auftakt gestaltete Andreas Knabe, Wirtschaftswissenschaftler und Spezialist für Finanzwissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Er gab einen wissenschaftlichen Einblick in die Geschichte der Schuldenbremse, beleuchtete Vor- und Nachteile und Zielsetzungen aktueller politischer Maßnahmen. Er erklärte anschaulich, wie sich die Regeln für staatliche Schulden in Deutschland im Laufe der Zeit verändert haben. Während früher nach der sogenannten „Goldenen Regel“ Kredite vor allem für Investitionen – etwa in Infrastruktur oder Bildung – aufgenommen werden durften, setzt die heutige Schuldenbremse klare Grenzen für neue Schulden von Bund und Ländern.
Einen zweiten Impuls setzte Lars Rühl vom Debattierclub Magdeburg e.V. Er ging der grundlegenden Frage nach, wie Debatten unsere Demokratie bereichern. Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund seien Debatten kein Selbstzweck und kein Wettbewerb. Rühl gab dem Publikum praktische Hinweise für eine gelungene Diskussion – sowohl zur inhaltlichen Argumentation als auch zur stilistischen Form. Besonders betonte er eine Haltung, die gute Debattenkultur auszeichnet: stets davon auszugehen, dass das Gegenüber im Recht sein könnte. Diese Offenheit schaffe Raum für echte Verständigung und ermögliche Perspektivwechsel. Aus seiner Arbeit im Debattierclub berichtete er, wie strukturiertes Argumentieren und respektvolle Auseinandersetzung trainiert und gelebt werden können.
Dialog mit der Revierdebattenbox
Nach den Expertisen begann der interaktive Teil des Abends – mit unserer Revierdebattenbox. Sie brachte Menschen mit unterschiedlichen Meinungen spielerisch ins Gespräch über die Zukunft der Finanzpolitik, die Schuldenbremse und Strukturwandel. Dabei ging es um schnellen Austausch und Spaß an der Auseinandersetzung.
„Das Revier debattiert“ setzen wir in Kooperation mit dem Format My Country Talks (entwickelt von der ZEIT Verlagsgruppe) um. Über eine innovative Matching-Software wurden die Teilnehmenden gezielt mit Personen zusammengebracht, die andere Ansichten vertreten. In 1-zu-1-Gesprächen konnten sie Positionen offen diskutieren, bevor am Ende alle gemeinsam im Plenum von ihren Erfahrungen berichten.
Ein Beitrag zur demokratischen Verständigung im Revier
Die Veranstaltung richtete sich an alle Altersklassen, Vorkenntnisse waren nicht erforderlich. Gerade diese Offenheit machte den Abend besonders: Unterschiedliche Generationen und Hintergründe trafen aufeinander und diskutierten respektvoll über ein Thema, das wirtschaftliche Vernunft, politische Verantwortung und gesellschaftliche Zukunftsfragen miteinander verbindet.
Mit unserer Tour von durch Sachsen-Anhalt und darüber hinaus verstehen wir „Das Revier debattiert“ als Beitrag zu einer zukunftsfähigen, demokratischen Verständigung über den Wandel in Mitteldeutschland. Die Reviervorlesung in Magdeburg hat einmal mehr gezeigt: Der Strukturwandel braucht nicht nur gute Konzepte – sondern vor allem Menschen, die bereit sind, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Reviervorlesungen sind Teil unserer Open Academy 2026, dem kostenlosen (dank STARK-Förderung) Weiterbildungsprogramm des Science Cube für alle, die Wissenschaft zum Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier einladend und gesellschaftlich wirksam kommunizieren möchten. Im Mittelpunkt steht das Perfect-Match-Prinzip: Forschung sucht Kommunikation und findet sie in der Open Academy. Du möchtest bei der Open Academy 2026 dabei sein? Melde dich jetzt hier als Teilnehmer*in an!